Eine demokratische Kultur braucht unabhängige Lehrerinnen und Lehrer

 

Von der Qualität dieser zukünftigen Lehrer/innenbildung war in diesem Gespräch selbstverständlich keine Rede.

Oder doch? Immerhin wurde zwischen Pädagogischen  Universitäten und wissenschaftlichen  Universitäten unterschieden.

Die zukünftigen Pädagogischen Universitäten sollen demnach keine „wissenschaftlichen“ sein?

Nicht nur das! Sie sollen auch nicht als freie und vollrechtsfähige Körperschaften agieren können, wie es das UOG 2002 für Universitäten vorsieht, sondern lediglich als nachgeordnete Dienststellen des Bildungsministeriums und (!) der Länder, welche ja schließlich die exklusiven Abnehmer (!) und Dienstgeber der Lehrer/innen bleiben möchten.

 

Irgendwo frage ich mich als politischer Bildner gerade … Da war doch noch etwas? Republikanisch-demokratische Verfassung – basiert die nicht auf Gewaltenteilung?

Aber was hat Gewaltenteilung mit der Lehrer/innenbildung zu tun? Ist das nicht eher eine Angelegenheit für unabhängige Richter und unabhängige Gesetzgebung?

 

Das Prinzip der Gewaltenteilung wurde entwickelt, um der Machtkonzentration und Willkür der politischen Akteure zur Zeit des Absolutismus entgegenzutreten und um die Prinzipien von Freiheit und Gleichheit durchzusetzen. Auf diesen Prinzipien basieren die Grundgesetze unserer republikanisch-demokratischen Verfassung. Und wenn es ein Universitätsorganisationsgesetz gibt, dann gilt dies doch für alle Universitäten? Oder doch nicht?

 

Das Recht des Arbeitgebers auf Auswahl, Beratung und Kontrolle der beauftragten Lehrer/innen ist selbstverständlich, legitim und notwendig. Aber ich frage hier: Wenn Studierende, die schon zwölf Jahre zuvor im System Schule sozialisiert wurden, von ihren zukünftigen exklusiven Arbeitgebern zu Lehrer/innen ausgebildet werden, welche dann auch für den Rest ihres beruflichen Lebens deren „Aus- Fort- und Weiterbildung“ kontrollieren wollen, wo und wann lernen dann diese zukünftigen Lehrer/innen jenes Moment von Freiheit und Selbstbestimmung, welches die Grundlage der Selbstreflexion von kritischen und mündigen Staatsbürger/innen bildet?

 

Ich meine, eine demokratische Gesellschaft braucht nicht nur unabhängige Richterinnen und Richter, sondern auch unabhängige Lehrerinnen und Lehrer! 

 

Und diese Lehrerinnen und Lehrer brauchen wiederum eine unabhängige wissenschaftliche Ausbildung, die ihnen ausreichend Grundlage für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit als Ausbildner/innen der zukünftigen Generation einer hoffentlich pluralistisch-demokratischen Gesellschaft bietet.

 

Die Red., AE 

 

 

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